Hoffnungsbarometer

Es kommt darauf an, das Hoffen zu lernen. (Ernst Bloch)

Hoffnung – eine philosophische Einführung

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Hoffnung in der Antike

Bereits in der Antike sind Begriffe und Konzepte von Hoffnung thematisiert worden. Hesiod schilderte Hoffnung „als zu den Bedingungen menschlicher Existenz gehörig“ (Religion in Geschichte und Gegenwart – Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft RGG4: 1822). Dabei war „elpis“ im griechischen Altertum eine ambivalente Zukunfts­erwartung: sie konnte positiv oder negativ sein, entsprach dem neutralen Begriff „Erwartung“ und hatte nicht die positive Bedeutung von Hoffung in der deutschen Sprache (Historisches Wörterbuch der Philosophie, HWBP, 1974: 1157). Hesiod warnte vor der „leeren Hoffnung eines untätigen Mannes, dessen optimistische Zukunftserwartung durch nichts gerechtfertigt ist und sich als Täuschung erweisen muss“ (HWBP: 1157). Seit Aristoteles und den Stoikern wird diskutiert, dass der mit Hoffnung verbundenen positiven Gemütslage immer auch unbeständige, wenig rationale und illusionäre Erwartungen gegenüber stehen (Theologische Realenzyklopädie TRE: 480).

Die verschiedenen Interpretationen des „elpis“ Begriffes im antiken Griechenland zeigen sich auch in den verschiedenen Fassungen der Sage der Pandora: Als erste Frau der Menschheit erhält Pandora von Göttervater Zeus das trügerische Geschenk eines verschlossenes Gefässes (Die Büchse der Pandora) – trotz Warnungen gegenüber einem Geschenk von Zeus öffnet sie dieses Gefäss und die darin versteckten Plagen und Übel entweichen, so dass die Erde fortan zu einem trostlosen Ort wird. Im letzten Moment verschliesst Pandora das Gefäss wieder, so dass die Hoffnung als letzter Inhalt darin gefangen bleibt. Für Hesiod und Aischylos zählt die Hoffnung auch zu den Übeln, mit denen Zeus die Menschen plagen wollte. Für Theognis ist die Hoffnung die einzige gute Gottheit, die den Menschen geblieben ist, nachdem die anderen Götter die Menschheit betrogen und verlassen haben, für Babrius ist die Hoffnung das einzige Gut, das zurück bleibt, um die Menschheit in all dem Übel zu trösten (HWBP: 1158).

Hoffnung in Judentum und Christentum

Eine zunehmende Bedeutung spielte Hoffnung im Judentum und Christentum, in denen Hoffnung und Glaube an Gott gleichgesetzt wurden. Hoffnung war die Erwartung einer guten Zukunft, sie entsprach der Verheissung und den Heilszusagen des alttestamentlichen Bundverständnisses zwischen Gott und Mensch. Dabei war die Hoffnung keine Extrapolation der Gegenwart sondern eine Antizipation der verheissenen Zukunft (HWBP: 1159).

Dieses theologische Verständnis verbreitete sich auch in der christlich geprägten Philosophie des Mittelalters. Aufgrund der statistisch und kulturell immer noch grossen Bedeutung des Christentums und der Kirchenzugehörigkeit für die Schweiz wird im folgenden Kapitel die biblische und theologische Bedeutung separat eingeführt.

In der auslaufenden Antike und im Mittelalter war die Entwicklung des Hoffnungsbegriffes vom Spannungsfeld zwischen dem griechischen und dem jüdisch-christlichen Verständnis geprägt. Augustinus, Thomas von Acquin oder Luther setzten sich damit auseinander.

Eine detaillierte Beschäftigung mit dem Verständnis von Hoffnung in der christlichen Theologie findet sich in einem separaten Kapitel.

Hoffnung in der Aufklärung

In der Aufklärung wurde der Begriff der Hoffnung im philosophischen Sinne relevant: Wie können vernünftiges und unvernünftiges Begehren und Hoffen unterschieden werden? Wie ist die widersprüchliche Situation zu verstehen, dass Hoffnung gerade da die stärkste Kraft entwickelt, wo die Situation ausweglos scheint? Wie kommt es, dass dieses irrationale Moment ein zielorientiertes und problemlösendes Handeln fördern kann? (TRE: 480) In Kants Argumentation erhielt der Begriff Hoffnung erstmals einen philosophisch-systematischen Stellenwert und führte zu den Grundfragen: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? (TRE: 480)

Hoffnung im 19. Jahrhundert

Die Religions- und Ideologiekritik des 19. Jahrhunderts führte zu einer Wende zur Gegenwart und, wie Nietzsche es formulierte, einem Glück in der Hoffnungslosigkeit. Diese Preisgabe der Hoffnung wurde dabei aber nicht als Fatalismus oder Resignation, sondern als gesteigerte Handlungsfähigkeit und als Schicksalsüberlegenheit in der Gegenwart verstanden. Die Lebensphilosophie des 19. Jahrhunderts verstand Hoffnung und Erwartung nicht mehr als antizipierende Bewusstseinsakte, sondern sah sie als dem Leben immanente Funktionen (TRE: 481).

Blochs Prinzip Hoffnung

Im 20. Jahrhundert entwickelte Ernst Bloch einen anderen, stark politisch ausgerichteten Typus des Hoffnungsdenkens – das Prinzip Hoffnung (TRE: 482 ff). Dieses wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem zentralen Gegenstand des philosophischen und theologischen Denkens (HWBP: 1165). Bloch wies darauf hin, „dass der Mensch im Kern nicht von seinem Wissen und auch nicht von seinem Tun her zu verstehen sei, sondern eben im Hoffen seine Auszeichnung finde“, der Mensch ist ein utopisches Wesen, seine Kraft und sein Schicksal liegen in der Antizipation (TRE: 483). Hoffnung war das Verständnis des Noch-Nicht-Seins und des Noch-Nicht-Gewordenen, die biblische Reich-Gottes Erwartung wurde zur Idee einer „zukünftigen Gottwerdung des Menschen, der sich auf Erden das Land der Verheissung selbst schafft“ (HWBP: 1165).

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