Hoffnungsbarometer

Es kommt darauf an, das Hoffen zu lernen. (Ernst Bloch)

Sehnsucht nach mehr Ruhe und Ordnung in der Schweiz?

Ein Kommentar

Die Hoffnungen auf intakte und harmonische Beziehungen im nahen sozialen Umfeld, nach persönlicher Gesundheit und nach einer sinnvollen Aufgabe belegen auch für 2014 die Spitzenpositionen. Auffällig ist aber, dass gegenüber dem Vorjahr die Bereiche „Ordnung“ / „Sicherheit“, zugleich aber auch „Unabhängigkeit und Selbstbestimmung“ wie auch „Freizeit“ / „Zeit zur Entspannung“ einen Bedeutungszuwachs erfahren. Scheinbar ein Widerspruch, den gemeinhin werden diese Begriffe eigentlich den unterschiedlichen Sozialmilieus „Neo-Konservativ“, „Liberal“ und „Hedonistisch“ zugeordnet.

0 = nicht wichtig ; 1 = teils teils ; 2 = sehr wichtig

Bei der Detailanalyse zeigen sich einige interessanten Aspekte:

Effektiv lassen sich anhand der Beantwortung der persönlichen Hoffnungen vier Milieus definieren, die in sich eine relativ hohe Korrelation aufweisen:

  • Milieu „Hoffnung auf ein geruhsames Leben“, mit starken Korrelationen für „Persönliche Gesundheit“ + „Mehr Sicherheit im persönlichen Umfeld“ + „Harmonie im Leben“ + „Ordnung in meinem Leben“
  • Milieu „Beziehungsorientiert“, geprägt durch „Gute und vertrauensvolle Beziehungen zu anderen Menschen“ + „Sinnvolle und zufriedenstellende Aufgabe“ + „Anderen Menschen helfen können“
  • Milieu „Hedonismus“ mit den korrelierenden Hoffnungen „Mehr Freizeit“ + „Mehr Zeit zur Entspannung“ + „Mehr Spass mit Freunden“ + „Mehr Sex“
  • Milieu „Beruf“, bestimmt durch „Erfolg am Arbeitsplatz (Bonus, Beförderung)“ + „Mehr Geld“ + „Sicherer Arbeitsplatz“

Die Hoffnung auf „Ordnung in meinem Leben“ zeigt eine auffällige Altersverteilung: So weisen einerseits Jugendliche einen erstaunlich hohen Wert auf, andererseits ist diese Hoffnung bei den über 50 Jährigen wieder stark vertreten. Gesellschaftlich bedeutend wird dieses Phänomen, da die grösste Alterskohorte, die sogenannten „Babyboomer“ nun genau in dieses Alter hineinwachsen. So ist anzunehmen, dass dieses Bedürfnis in den kommenden Jahren weiter zunehmen und politische und wirtschaftliche Effekte zeigen wird.

0 = nicht wichtig ; 1 = teils teils ; 2 = sehr wichtig

Die vorschnelle politische Prognose, dass diese Generation nun zukünftig aufgrund ihrer Alterung in typische „law and order“ Muster fallen könnte, ist aber nicht zulässig. Denn für die Hoffnung auf „mehr Sicherheit im persönlichen Umfeld“ lässt sich keine Abhängigkeit vom Alter erkennen. Und zugleich misst dieselbe Alterskohorte der liberalen Hoffnung auf „persönliche Unabhängigkeit und Selbstbestimmung“ eine hohe Bedeutung zu – wesentlich höher als bei den unter 50 Jährigen. Wobei hier anzunehmen ist, dass dabei die finanzielle Absicherung, die körperliche Mobilität und die körperliche Gesundheit im Fokus stehen.

0 = nicht wichtig ; 1 = teils teils ; 2 = sehr wichtig

Auffällig ist auch die unterschiedliche Gewichtung der Hoffnungen auf „Mehr Freizeit“ und auf „Mehr Zeit zur Entspannung“. Beide dieser Hoffnungen werden von Jugendlichen am häufigsten formuliert. Die in jungen Jahren wichtige Hoffnung auf „Mehr Freizeit“ nimmt mit dem Alter schrittweise ab, wird aber – zumindest ab 50 Jahren – wohl durch das Bedürfnis nach mehr Entspannung ersetzt.

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